Sortenspezifische Unterschiede beim Proteingehalt
Sortenspezifische Unterschiede beim Proteingehalt
Der Proteingehalt ist ein wichtiges Qualitätskriterium bei der Vermarktung von Qualitätsweizen. Für Eliteweizen muss in den meisten Fällen ein Proteingehalt von mindestens 14 % und für Aufmischweizen von 13 % erfüllt werden. Um diese Qualitätsnormen zu erreichen, ist eine ausreichende Stickstoffdüngung notwendig. In der Praxis wird trotzdem manchmal die Norm nicht erreicht, denn der Proteingehalt ist nicht nur vom Niveau der N-Düngung abhängig.
Stickstoffmenge richtig bemessen
Nach Knittel und Albert entzieht der Weizen für Korn, Stroh und Wurzel bei einem Ertrag von 70 dt/ha und einem Proteingehalt von 14 % etwa 210 kg Stickstoff pro Hektar. Auf guten Standorten mit einem Ertrag von 100 dt/ha werden vom Weizen 300 kg N/ha aufgenommen. Für Elitequalität müssen also 3 kg N/dt Ertrag aufgenommen werden. Bei A-Weizen mit 13 % Protein sind es 2,8 kg N/dt und bei B-Weizen sind zur Erzielung eines Proteingehaltes von 12 % 2,6 kg N/dt Ertrag notwendig. Diese Stickstoffmenge muss natürlich nicht komplett aus dem Düngersack kommen, sondern wird auch aus dem Bodenvorrat mineralisiert. Problematisch für die Bemessung der zu düngenden N-Menge ist, dass die jährlich im Boden freigesetzte und pflanzenverfügbare N-Menge großen Schwankungen unterliegt. Unterschiedliche Witterungsverläufe in den einzelnen Jahren können am gleichen Standort zu extrem unterschiedlichen N-Freisetzungsraten führen, denn hohe Mineralisierungsraten setzen eine ausreichende Bodenfeuchte und hohe Bodentemperatur voraus.
Sinkender N-Aufwand in der Wertprüfung
In Deutschland muss jede Sorte vor der Zulassung eine dreijährige Wertprüfung (WP) durchlaufen. In der Wertprüfung wird die Sorte in zwei Stufen geprüft. In Stufe 1 werden keine Fungizide und in Ausnahmefällen Wachstumsregler eingesetzt, Stufe 2 ist mit Fungiziden und Wachstumsreglern. Bei beiden Stufen wird seit 2005 die Düngung auf dem gleichen Niveau gefahren. Im Mittel der Standorte, die in der Mehrzahl sehr gute Bonitäten aufweisen, wird eine N-Düngemenge von 170 kg/ha ausgebracht (Zeitraum 2005–2009, WP-Sortiment 1). Vor 2005 war die ausgebrachte N-Menge zwischen Stufe 1 und Stufe 2 differenziert und lag in Stufe 2 ca. 23 kg/ha über dem jetzigen Niveau (Zeitraum 1999–2004 verglichen mit 2005–2009, WP-Sortiment 1). Dieses entspricht einem N-Aufwand von 2,0 kg/dt Ertrag bei einer Ertragserwartung von rund 100 dt/ha. Verglichen hierzu errechnet sich für den Zeitraum 2005–2009 ein N-Aufwand von 1,7 kg/dt Ertrag. Dieses ist natürlich, auch wenn aus dem Boden noch Stickstoff nachgeliefert wird, bei einem Ertragsniveau von rund 100 dt/ha, für E-Weizensorten relativ knapp. Proteingehalte von 14 % werden in der Wertprüfung deshalb selten erreicht. Zusätzlich gibt es auch innerhalb der Qualitätsgruppen unterschiedliche Verwertungstypen. So setzt der eine Sortentyp den Stickstoff mehr in Richtung Proteingehalt um, der andere mehr in Richtung Ertrag. Auf diese Weise werden in der Wertprüfung tendenziell Sorten bevorteilt, die bei geringem N-Angebot relativ hohe Proteingehalte bringen.
Einstufung der Sorten hinsichtlich Rohproteingehalt
Etwas verschärft wird die Proteineinstufung von neuen Sorten dadurch, dass mit Batis eine Sorte als Bezugssorte für die Qualitätseinstufung dient, die nachweislich eine hohe N-Effizienz besitzt. Bei allen relevanten Qualitätseigenschaften werden die Werte der Prüfsorten in Stufe 2 zu den von Batis erreichten Werten in Bezug gesetzt und dann entsprechend in definierte, sogenannte Ausprägungsstufen eingruppiert. Das sind die „Noten“, die in der Beschreibenden Sortenliste erscheinen. Beim Rohproteingehalt wird der Proteingehalt von Batis gleich 100 gesetzt. Im Merkmal Rohproteingehalt ist die Mindesteinstufung für die Qualitätseinstufung E die Note 6, das entspricht einem relativen Rohproteingehalt im Vergleich zu Batis von 102,8 %. Ab relativ 105,6 % wird die Note 7 vergeben, ab 108,4 % die Note 8. Die DSV-Sorte ARKTIS erzielte mit einem absoluten Proteingehalt von 13,2 % einen Relativwert von 105,3 % und erhielt die Note 6. ARKTIS liegt aber im Relativwert nur 0,3 % unter der Grenze von Note 7. Eine Sorte mit 102,8 % hätte einen um 2,5 % schlechteren Wert und würde auch die Note 6 erhalten. Ähnlich verhält es sich mit der Sorte FAMULUS, die nur 0,1 % im Relativwert von dem zur Erreichung der Note 8 notwendigen Wert entfernt liegt. FAMULUS erzielte einen absoluten Proteingehalt von 13,6 % und damit den gleichen Gehalt wie die Sorte Genius, welche aber im Relativgehalt 0,3 % besser war zu Batis und so die Note 8 erhielt. Aus diesen Beispielen lässt sich der Schluss ziehen, dass der Unterschied zwischen zwei Notenstufen unter Umständen geringer ist als bei zwei Sorten, die in dieselbe Ausprägungsstufe eingestuft wurden. Aufgrund dieser Tatsache und den besonderen Bedingungen in der Wertprüfung bezüglich N-Düngungsniveau haben wir die Landessortenversuche 2010 hinsichtlich der Proteingehalte und N-Effizienz ausgewertet.
E-Weizen FAMULUS und AKTEUR mit hoher N-Effizienz
In der Praxis und auch in den Landessortenversuchen wird in der Regel mehr Stickstoff gedüngt. Um verschiedene Sorten vergleichen zu können, müssen orthogonale Daten vorliegen. Das bedeutet, alle Sorten sollten an den gleichen Standorten geprüft worden sein. Sehr gute Daten von einem relativ großen Sortensortiment liegen von Löß- und Lößübergangsstandorten in Ostdeutschland vor. Das N-Angebot, das den Sorten zur Verfügung stand, lag bei knapp 240 kg/ha im Mittel über alle Standorte. Damit standen den Sorten rechnerisch 2,5 kg N/dt Ertrag zur Verfügung. Knapp 200 kg/ha wurden gedüngt und der mittlere Nmin-Wert lag bei 40 kg/ha. Im Mittel über alle in die Auswertung einbezogenen Sorten lag der Ertrag bei 94,6 dt/ha. Berücksichtigt wurden nur in Deutschland zugelassene Sorten. In den Versuchen erreichten insbesondere die Sorten AKTEUR, FAMULUS und Adler hohe Proteingehalte (Abb. 1). Um den sogenannten N-Verdünnungseffekt bei höheren Erträgen zu berücksichtigen, wurde das N-Angebot (Düngung + Nmin 0–60 cm) zum Proteingehalt in Beziehung gesetzt. Mit Hilfe der Einzelwerte haben wir einen linearen Trend errechnet, das ist die Gerade (Abb. 2). Deutlich wird, dass die Sorte FAMULUS schon bei relativ niedrigem N-Angebot sichere Proteinwerte bringt. Sie reagiert auch deutlich mit einem Anstieg des Proteingehaltes auf ein erhöhtes N-Angebot. FAMULUS wäre also auch für Standorte interessant, die nicht immer sichere Proteingehalte bringen. Sein gutes Proteinbildungsvermögen könnte auch von besonderer Bedeutung sein, wenn zukünftig gesetzliche Auflagen die N-Düngung begrenzen. Sehr sichere Proteingehalte bringt auch AKTEUR, dafür ist die Sorte auch in der Praxis bekannt. ARKTIS zeigt einen steilen Anstieg der Trendlinie. ARKTIS reagiert also besonders positiv auf höhere N-Gaben und ist dann sicher im Proteingehalt. Für Standorte, an denen die notwendigen Proteingehalte nur schwer zu erzielen sind, ist die Sorte weniger geeignet. Event ist wie Skagen eine Sorte, die das N-Angebot stärker in Ertrag umsetzt und dementsprechend meist schwächere Proteinwerte bringt. Leider liegen uns momentan nur einjährige Daten zu den genannten Sorten vor. Die hier geschilderten Tendenzen stimmen aber mit den Daten aus anderen Regionen überein.
Quelle: Innovation 3/2011; Deutsche Saatveredlung AG
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